Freitag, 14. Februar 2014
Alle Macht geht vom Volk aus?
Im August letzten Jahres schickte ich anlässlich der bevorstehenden Nationalratswahl wiederholt ein Mail, in dem ich meiner Betroffenheit über die politische "Kultur" in unserem Land Ausdruck verlieh, an unseren Volksvertreter Nr. 1, Dr. Heinz Fischer. Meine Betroffenheit erhöhte sich noch angesichts der ausbleibenden Antwort - von wem auch immer...



Mit der Bitte um Weiterleitung:

Sehr geehrte Damen und Herren PolitikerInnen!

Als Bürgerin des österreichischen Volkes nehme ich die bevorstehende Wahl zum Anlass, meiner Betroffenheit Ausdruck zu verleihen:
Es macht mich betroffen, dass 42 Millionen Euro (6x7 – wenn man davon ausgeht, dass jede Partei diesen Rahmen ausschöpft, wenn nicht überschreitet) in die Wahlwerbung fließen. Welche ausreichend plausible Erklärung gibt es dafür, dass gegenwärtige oder zukünftige Volksvertreter, deren politisches Denken und Agieren der Öffentlichkeit meist ohnehin hinreichend bekannt ist, sich dermaßen kostspielig bewerben müssen? Und wie können Menschen sich guten Gewissens Volksvertreter nennen, die solche Summen in ihre (Wieder-)Wahl investieren, während zugleich Systeme kaputtgespart und zahlreiche Menschen im Land von existentiellen Nöten geplagt werden. (Auch wenn der Staatshaushalt mit oben genannter Summe nicht auch nur annähernd saniert werden kann, ein Zeichen der Solidarität und des Erkennens der Notwendigkeit veränderter Prioritäten wäre eine Umwidmung oder ein Verzicht - ja, auf Werbung! - allemal.)

Es macht mich betroffen, dass die Wahlwerbung immer mehr einer „Schlammschlacht“ der Parteien untereinander gleicht. Wer möchte sich gerne von Menschen vertreten lassen, die andere abwerten, denunzieren, diffamieren, ausgrenzen… anstatt glaubhaft zu argumentieren, warum man gerade ihre Partei wählen sollte.

Es macht mich betroffen, dass nach vollzogener Wahl, die Politik für die nächste Legislaturperiode jedes Mal erneut - abgekoppelt von den Wählern - zu einem selbstreferentiellen System wird, das operiert, als ob es das Volk nicht gäbe. All zu oft wird dabei vergessen (leider auch vom Volk selbst), dass in einer Republik das Volk der Souverän ist.
Es macht mich betroffen, dass sich immer mehr Menschen immer weniger gut vertreten fühlen, egal welche Parteien am Ruder sind, und sich viele demokratiebewusste BürgerInnen, die dennoch zur Wahl gehen, an der Wahlurne längst nur mehr für das „geringere Übel“ entscheiden.
Es macht mich betroffen, dass Wahlergebnisse schöngefärbt werden, indem längst nicht mehr der Stimmenzugewinn, sondern der geringere Stimmenverlust als Erfolg verbucht wird und der Wähler mit dem Gefühl, nicht verstanden und nicht ernst genommen zu werden, zurückbleibt.
Es macht mich betroffen, dass Gefühle des Nicht-gehört- und Nicht-verstanden-Werdens bei den Wählern zu immer mehr Frustration, Ohnmacht, Resignation… Politikverdrossenheit führen und dass dieser Umstand bis zur nächste Wahl offenbar ignoriert wird.

Es macht mich betroffen, dass in der Öffentlichkeit stehende Menschen, wie PolitikerInnen es sind, sich so wenig ihrer Rolle und Verantwortung als Verhaltensmodelle vor allem für nachkommende Generationen bewusst sind. (Wer glaubt ehrlichen Herzens, er/ sie wäre ein nachahmenswertes Vorbild für die Jugend?)
Es macht mich betroffen, dass das Trennende stets vor das Einende gestellt wird und dass es scheinbar – bar jeder Vernunft - ein politisches „no-go“ ist, einer Meinung mit der Opposition zu sein.
Es macht mich betroffen, dass man als Parteipolitiker/in sein Denken, sein Verhalten, seine Überzeugungen und Werte auf die Parteilinie einschwören muss, oft unter Verzicht auf ein eigenes Profil, eine eigene Identität.

Nach so viel Betroffenheit, möchte ich nicht enden, ohne Ihnen auch meine Bewunderung und meinen Dank auszusprechen. Ich bewundere Sie und bedanke mich bei Ihnen, wenn Sie zu den PolitikerInnen zählen,
• die sich in diesem herausfordernden „Job“ Ihren Idealismus, Ihre Menschlichkeit und Ihre Integrität bewahrt haben (gehe davon aus, dass diese einmal vorhanden waren)
• die noch Ideale (nicht Ideologien) haben, für die Sie sich zugunsten des Gemeinwohls engagieren wollen
• die Ihren Einsatz und Ihren Gestaltungswillen nicht der eigenen Karriere und dem persönlichen Profit widmen, sondern dem Wohl aller
• die Kreuzchen am Wahlzettel nicht als Machtgewinn, sondern als verantwortungsvollen Auftrag betrachten
• die den Bezug zur Realität und den Blick für die realen Bedürfnisse der Menschen noch nicht verloren haben
• die noch selbst denken und sich nicht allen „Regeln“ unhinterfragt beugen
• die sich gelegentlich auch wirklich Gedanken machen, wie eine gerechte Verteilung von Ressourcen auszusehen hätte bzw. umzusetzen wäre und bereit sind, dem Denken Taten folgen zu lassen
• die einem politischen Miteinander statt einem Gegeneinander den Vorzug geben und Kooperation über Konkurrenzdenken stellen
•und die all diese Tugenden als professionelle Mindestanforderung für das Amt des Politikers/der Politikerin sehen

Ihnen würde ich jederzeit meine Stimme geben, ungeachtet der Partei, der sie angehören – auf die käme es dann nämlich nicht mehr an.

Mit freundlichen Grüßen...

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Donnerstag, 13. Februar 2014
Einmal anders
Ich bin, also denke ich … einmal anders
Wie wäre es in einer Welt zu leben, in der es keine Rolle spielte, nicht fehlerfrei zu schreiben, in der dich niemand übervorteilen würde, wenn du das Kleingedruckte nicht lesen könntest oder nachrechnen, ob das Wechselgeld stimmt, wie wäre es, wenn es in Ordnung wäre, sich in der Schule nicht für Biologie zu interessieren, für Geschichte oder Physik, wie wäre es, wenn du von klein an deinen Interessen nachgehen dürftest, unabhängig davon, ob sie dem Wirtschaftswachstum dienlich wären, wenn Fähigkeiten Fähigkeiten wären, wertfrei, weil unbewertet und doch gleichermaßen wertvoll, wie wäre es in einer Welt zu leben, in der du, unvergleichlich, nicht verglichen würdest, in der es in Ordnung wäre, nicht am Wettbewerb teilzunehmen, nicht über andere zu siegen, ohne deshalb irgendetwas zu verlieren, wie wäre es in einer Welt zu leben, in der du genügst, so wie du bist, in der du dir das Leben nicht verdienen musst, wie wäre es in einer Welt zu leben, in der alles, was du lernen musst, ist, dich tief und aufrichtig zu lieben… und zu erkennen, dass du auch alle anderen bist?
Wie wäre es, einmal, und wenn auch nur für einen Tag, zu denken, dass alles, was du glaubst, auch anders sein könnte. Auf ungeahnte Weise unglaublich, aber unglaublich gut anders…angstfrei, risikofrei, schablonenfrei…Die Erde war nie eine Scheibe und es gibt noch viele „Kugeln“ zu entdecken. Lass deinen Gedanken ihren eigenen Lauf!

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Unwort
Unwort
Viele der heute gebräuchlichen Wörter waren in meiner Kindheit weder im mündlichen Sprachgebrauch üblich noch wurden sie verschriftlicht (oder ultraneuzeitlich verschriftet), man wagte sie noch nicht einmal anzudenken. Welchem Umstand dies geschuldet ist, man (frau) weiß es nicht. Ich vermute jedoch, dass auch unsere Sprache evolutioniert (ups, das ist jetzt premierig – soll heißen sich höher(?) entwickelt. Schließlich muss sie auch mit der immer rasanteren – v. a. technischen – Entwicklung Schritt halten können. Von den vielen eingedeutschten Anglizismen und Deutsch-deutschen Wörtern, die in der Originalsprache oft eine ganz andere (oder gar keine?) Bedeutung haben, will ich jetzt gar nicht reden, auch nicht am Mobile oder Handy, wie es hierzulande heißt. Die neu- und umgedeutschen, gechangten Wörter, die viel umständliches Gelabere ersparen, meine ich. Die zum Ausdruck bringen, was vormals mindestens einen ganzen Satz erforderte, und damit nichts mehr verunmöglichen – alles kann gesagt werden (sofern kein Tabu). Never ever möchte ich als Spaßbremse gelten. Das Kreieren neuer Wörter, die vielleicht schon in Bälde zumindest als waschsalonfähig durchgehen, ist cool, um nicht zu sagen (leider) geil. Am Ende des Tages wird das eine oder andere eventuell zum Wort des Jahres gekürt – oder zum Unwort. Womit ich – nicht ganz easy – beim Thema angelangt wäre. Unglück, Undank, Unsinn… - die Vorsilbe Un verweist oft auf etwas Fehlendes: das Fehlen von Glück, das Fehlen von Dank, das Fehlen von Sinn… Anders beim Wort „Unwort“. Obwohl Unwort genannt, fehlt genau kein Wort. Konnten bislang vorwiegend Personen als „persona non grata“ in Ungnade fallen, ohne deswegen schon zu Unpersonen oder gar Unmenschen zu werden, sind es neuerdings Wörter, an denen sich die Gemüter erhitzen. Political correctness or not ist hier nicht die alleinige Frage, sondern wie sehr sie (diese Wörter) nerven bzw. auf den (Zeit)Geist gehen oder Schluss mit lustig machen. Oder Menschen degradieren.
Ich habe vor kurzem mein Unwort forever gefunden. Das heißt, es hat sich mir aufgedrängt, und zwar beim Lesen einer Analyse der neuesten Pisaergebnisse. Da war von Risikoschülern die Rede. Gemeint waren jene SchülerInnen mit Migrationshintergrund, die – der deutschen Sprache nicht mächtig – zum wiederholten Mal einen Spitzenplatz im internationalen Ranking verunmöglicht haben. Die unseren Ruf als Bildungsland ruinieren und unsere wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit gefährden.
Zwei solcher ehemaligen „Risikoschüler“ sind mir unlängst begegnet, als ich meinen ersten Schitag in dieser Saison mit den falschen, weil alten Schischuhen bindungsinkompatibel begehen wollte. Problem erst auf der Bergstation gecheckt, mit der Gondel zurück ins Tal, geradewegs zum Sportgeschäft, Leihschi – ein teurer Spaß zu vorgerückter Stunde. Zu meinem Glück habe ich eine Saisonkarte mit inkludiertem Halbtags-Leihschi-Gutschein. Zu meinem Unglück hatte ich diesen daheim vergessen. No problem, das nächste Mal nachbringen. Sofort-Service, ohne Aufpreis – der Halbtag war länger als halb. Wahrlich nicht konkurrenz- dafür aber kooperationsfähig waren die beiden (prekär?) Beschäftigten, Christo (nomen est omen?) und Vladimir, „Retter“ meines Skitages. Unkompliziert, unbürokratisch, freundlich, vertrauensvoll und kompetent. Ein zumutbares „Risiko“.
Ich bevorzuge Persönlichkeitswachstum gegenüber Wirtschaftswachstum, möchte lieber Kooperation statt Pisa und Vertrauen statt Unwörtern, die Menschen als Risiko einstufen. Aber so was von!

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